Die "Digitale Zeit"

„Die knipsen andauernd rum“, sagen viele ältere Leute, wenn Jugendliche mit Ihren Digitalkameras im Urlaub, auf Festen oder ohne ersichtlichen Grund viele Fotos machen. Vielleicht um besonders viele Erinnerungen festzuhalten oder um das eine perfekte Erinnerungsfoto zu bekommen? Früher war alles anders! Hm... das wohl schon. Aber war es besser? Ist es nicht toll alles bildlich festzuhalten?

Früher wurde ganz genau überlegt, was und wer vor die analoge Linse gebracht wird. Damals wurde der Fotofilm komplett entwickelt. Somit wurde für die schönen Aufnahmen gezahlt, aber auch für die Bilder, die verschwommen sind oder die, auf denen die Fotografierten die Augen geschlossen haben oder gerade falsch geschaut haben. In der heutigen, digitalen Zeit kann geknipst und geknipst werden. Denn die Fotos können sofort auf dem Display oder später auf dem PC anschaut werden. Digitale Fotos lassen sich auf dem Rechner speichern und können bei Internetverbindung durch soziale Netze und E-Mail leicht geteilt werden.
Freunde der Haptik und des Fotos aufhängens können die Fotos immer noch auf das Papier bringen. Entweder mit dem eigenem Drucker zu Hause oder mit Hilfe eines der vielen Internetanbieter oder Drogerien, die Fotos ausdrucken. Das ausgedruckte Foto ist zur digitalen Datei die traditionelle Sicherheitskopie. Fotos, die nicht gefallen, können leicht auf der Digitalkamera und vom Rechner gelöscht werden.
Durch die Digitalkameras kann alles festgehalten werden, ohne das vorab überlegt werden muss, ob das Bild wirklich ein Bild wert ist. Nie wieder Ärger über sich selbst, weil die Situation, der Sonnenuntergang, die Burg oder was auch sonst nicht aufgenommen wurde.

Tipps für die Archivierung:
- Bilder eines Ereignisses in einem Ordner speichern und benennen: Datum, Ort und Anlass? Hierbei immer auf die einheitliche Benennung achten. Beispiel: "JJJJ.MM.TT-Ereignis-Ort". Das Jahr wird hiebri für eine angenehme Sortierung zuerst genannt.
- Zum besseren Auffinden ist es sinnvoll auch jedes Bild einzeln zu benennen und Informationen unter „Eigenschaften der Datei“ zu hinterlegen.
- Originalbilder schreibgeschützt speichern. Das Bild kann dann nicht mehr geändert werden. Das ist dann praktisch, wenn man sich das Bild nach Bearbeitung des Originals nochmal anschauen möchte. Zudem wird durch Änderungen an der Originaldatei das Aktualisierungsdatum mitgeändert, und das möchte man meist nicht.

Wird durch dieses Geknipse nicht den Blick für das Wesentliche verloren?
Manch einer achtet gar nicht mehr darauf, was oder wen gerade sie oder er gerade fotografiert. Es wird einfach drauf los geknipst. „Irgendetwas Schönes wird schon dabei rauskommen.“ scheint hier die Devise zu sein. Was natürlich auch den Vorteil hat, dass der ein oder andere gelungene Schnappschuss dabei ist.
Es scheint fast so als ob die Leute nicht mehr den Moment live miterleben, sondern später anhand der Fotos die Situation nachfühlen. Fotografierende sind oft viel zu sehr damit beschäftigt ein schönes Fotomotiv zu erwischen. "Das kann ja später auf dem PC dann noch genau angeschaut werden." scheint die zweite Devise zu sein.
Früher wurde der Moment erlebt und sich später an das Gefühl und ein paar Bilder erinnert. Viele Eindrücke wurden im Kopf „abfotografiert“ um später eine Erinnerung zu haben.

Verlieren wir also durch das viele Herumfotografieren unsere Erinnerungen an unsere Erlebnisse, weil wir es ja später anschauen können?
Sicherlich verlieren die Fotografen im konzentrierten Moment des Fotografierens den Blick für die Umgebung. Sie möchten den richtigen Moment für das richtige Foto nicht verpassen. Dadurch bekommt die fotografierende Person oft nicht mit, was nebenher passiert. Zum Beispiel: Sportfotografen fixieren sich darauf das perfekte Tor zu fotografieren. Diese sind dann so in ihrem "Fototunnel", dass sie oft nicht bemerken, was sonst auf dem Spielfeld passiert.
Auf der anderen Seite, wer weiß schon, wie der Urlaub vor 5 Jahren war? Wer viele Bilder hat, hat meist auch viele visuelle Erinnerungsstützen an die Situationen, an die sich sonst niemand erinnert hätte. Durch das Anschauen der Bilder kommen die Emotionen wieder hoch. Früher konnte auf Grund der Technik einfach nicht so viele Emotionen festgehalten werden.

Aber verlieren wir nun wirklich durch das viele Herumfotografieren die Erinnerungen an unsere Erlebnisse, weil wir es ja später anschauen können? Was meint Ihr dazu?

 

 

edit: Rechtschreibfehler geändert: Fototummel --> Fototunnel

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