Menschen-Zoo mit Anfassen mitten unter uns

Ich hatte das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" nie gelesen. Jetzt habe ich das nachgeholt - und kann verstehen, dass diese distanzierte, aber doch lebensecht erzählte Betroffenendokumentation Aufruhr machte.

Mein Neffe wird bald 13 - das Alter, in dem Christiane F.1 mit Drogen in Verbindung kommt. Das ist für mich das unglaublich schwierige, diese Kindlichkeit und den Drogenkonsum in Verbindung zu bringen.

Für Christiane beginnt eine unheimliche Spirale. Die Zeit vom ersten Hasch im evangelischen Jugendkeller bis zum ersten H2 vergeht wahnsinnig schnell. Durch Ihren Freund bei der Stange gehalten ist Sie bald so abhängig, dass das Geld über Prostitution angeschafft wird.

Die ganze Geschichte ist so unheimlich traurig und ein konsequentes Zeigen auf so viele Fehler der Gesellschaft. Alle sind hilflos, gerade als Christiane dann entziehen will (mit 14, man stelle sich das vor). Es gibt keine professionelle Hilfe zu dieser Zeit. Keine Programme, Keine Erfahrungen - nur Verbote, Abscheu und den Vorschlag "sich den Strick zu nehmen". Scientology erscheint ganz kurz als der einzig echte Ausweg, was für sich genommen schon echt schlimm ist (Wir reden hier über Kinder im Alter von 12-15 Jahren, die komplett fertig sind und einer Sekte in die Arme getrieben wurden, die als Heilsbringer erscheint und nichts leistet).

Okay, das Buch ist einige Zeit her, aber wieviel davon ist heute noch wahr? Ist es besser, dass ich das auf einem Laptop schreibe, der wahrscheinlich von Kinderhand zusammengesetzt wurde und später auf großen Müllkippen die Lungen von Kindern schädigt? So könnte man noch lange weiter fragen.

Wir müssen unsere Gesellschaft ändern. Dazu gibt es nur einen Weg: Unseren Kindern helfen,  zu mitfühlenden, selbstbewussten und selbst denkenden Menschen zu werden. Indem wir selbst - also Ich und Du - entsprechende Vorbilder sind. Daneben ist alles andere unwichtig.

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